Nachführung verstehen: warum die Erddrehung Ihre Sterne streckt
- Rubrik
- Astrofotografie
- Veröffentlicht am
- 30. Apr. 2026
- Lesezeit
- 5 Min.
Ohne Nachführung endet jede Astroaufnahme nach wenigen Sekunden. Der Grund liegt nicht am Himmel, sondern unter Ihren Füßen: die Erde dreht sich, und die Kamera dreht sich mit. Was in der Aufnahme als Strichspur erscheint, ist schlicht diese Bewegung.
Die Erddrehung liefert die Rechengrundlage
Eine volle Umdrehung dauert knapp einen Tag, das entspricht 360 Grad in rund 24 Stunden oder 15 Grad pro Stunde. Am Himmelsäquator wandert ein Stern also in einer Sekunde etwa 15 Bogensekunden weit. Bei langer Brennweite genügt das, um Punkte sichtbar zu strecken.
Eine nachgeführte Montierung dreht dagegen
Eine parallaktische Montierung wird so aufgestellt, dass eine ihrer Achsen zur Himmelsachse zeigt. Ein Motor dreht diese Achse dann genau gegen die Erddrehung. Damit stehen die Sterne im Bild still, und Belichtungszeiten von Minuten werden möglich.
- Genaue Ausrichtung auf den Himmelspol ist Pflicht, nicht Kür
- Die Traglast der Montierung großzügig wählen
- Bei sehr langer Brennweite kommt eine zusätzliche Feinkorrektur ins Spiel
Eine gute Montierung ist die Anschaffung, die man zuletzt bereut und zuerst hätte tätigen sollen.
Der kleine Einstieg heißt Reisenachführung
Für Weitwinkelaufnahmen genügt ein kompaktes Gerät, das auf ein Fotostativ passt und nur die Kamera trägt. Damit sind Belichtungen von ein bis zwei Minuten realistisch, und die Milchstraße gewinnt sofort an Tiefe. Das Gerät wiegt wenig und passt in den Rucksack.
Üben Sie die Ausrichtung zu Hause bei Tageslicht, damit die Handgriffe im Dunkeln sitzen. Notieren Sie sich die geografische Breite Ihres Standorts, denn nach ihr wird die Achse geneigt. Und planen Sie am Beobachtungsabend zehn zusätzliche Minuten ein: eine sorgfältige Ausrichtung rettet mehr Aufnahmen als jede spätere Bearbeitung.